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Tabak

Nikotin

Nikotin –betäubendes Gift im Tabak

Nikotin ist der Hauptwirkstoff der Tabakpflanze. Nikotin ist farblos, wasserlöslich und hat einen betäubenden Geruch. Nikotin kann auch synthetisch hergestellt werden. Sogenanntes Rohnikotin wird als Schädlingsbekämpfungsmittel in Landwirtschaft und Gartenbau
eingesetzt. Die Tabakpflanze, in der das Nikotin enthalten ist, gehört zu den Nachtschattengewächsen und wird vorwiegend in subtropischen Gebieten angebaut. Getrocknet und geschnitten wird die Pflanze zu Zigaretten, Zigarren oder Pfeifentabak verarbeitet. Tabak ist eine legale Droge, die auf den Körper und die Gefühle des Menschen
wirkt.

Rauchen, Schnupfen, Kauen
Tabak wird als Zigarette, Zigarre oder Pfeifentabak geraucht. Das Schnupfen geriebenen Tabaks oder das Kauen von Tabakblättern ist heute sehr selten geworden. Zigarettenrauchen ist mit großem Abstand die häufigste Form, Nikotin zu konsumieren. Der

Raucher reguliert die Nikotinzufuhr durch die Häufigkeit und Stärke des Zugs an der Zigarette. Leichte Zigarettenmarken mit geringem Nikotingehalt führen daher meist zu höherem Konsum oder kräftigerem Einatmen des Rauchs

Nutzung

Bis ins 17. Jahrhundert hatte Tabak eine Bedeutung als Heilpflanze in der Augenheilkunde. Als Nutzpflanze haben derzeit (2007) nur zwei Arten wirtschaftliche Bedeutung, die zahlreiche Varietäten bilden und aus denen viele Sorten gezüchtet wurden. Die verbreitetste Art ist der Virginische Tabak (Nicotiana tabacum), zu dem nahezu alle heute angebauten Sorten gehören. Die Tabakernte (2007) wird nach entsprechender Verarbeitung weit überwiegend für Zigaretten genutzt. In Deutschland waren bis Ende des 20. Jahrhunderts die Sorten „Friedrichstaler“, „Havanna“, „Geudertheimer“ und „Burley“ verbreitet. Dies sind dunkle Sorten, die für Zigarren und als Beimischung zu dunklen Zigaretten Verwendung fanden. Virginia ist eine aktuelle Sorte die als Beimischung in helle Zigaretten-Marken verwendet wird. Vereinzelt wird außerdem noch Bauern-Tabak (Nicotiana rustica) angebaut. Darüber hinaus gibt es zahlreiche Arten und Sorten, die als Zierpflanzen Verwendung finden. In der Pharma-Forschung laufen intensive Untersuchungen, künftig mit speziell gezüchteten Tabaksorten Rohstoffe für Medikamente herzustellen.

Tabakwaren
 
Die getrockneten, kurierten und gerebelten Tabak-Blätter (Rauchkraut) können in Tabakspfeifen oder gedreht als Zigaretten, Zigarillos und Zigarren geraucht werden. Das giftige, suchtauslösende Nikotin wird dabei zu großen Teilen verbrannt; nur ein geringer Anteil verdampft und wird inhaliert. Weniger verbreitet ist der Konsum in Form von Smokeless Tobacco, Snus, Kautabak und Schnupftabak. Bereits der Verzehr geringer Mengen kann wegen des hohen Nikotinanteils zum Tod durch Atemlähmung führen. Diese Erkenntnis wurde früher von Tabakbauern zur Schädlingsbekämpfung genutzt, indem „Tabakbrühe“ gegen Insekten eingesetzt wurde. Da von dieser Maßnahme auch schonungswürdige Nützlinge betroffen werden, wird diese Methode nicht mehr verwendet.
 
Zierpflanzen

Tabakarten und -sorten werden auch als Schmuckpflanzen angebaut. Unter diesen gibt es Wildarten wie den bis zu 1,7 m hohen, nachts stark duftenden Wald-Tabak (Nicotiana sylvestris) mit langen weißen Blütenröhren oder die vielen Sorten des Ziertabaks Nicotiana x sanderae, einer Kreuzung aus dem rotblühenden N. forgetiana und dem weißblühenden N. alata. Aus dieser Kreuzung entstanden Nachkommen in vielen Farbtönen und in unterschiedlichen Wuchshöhen, teils immerduftend, teils nachtduftend oder auch ohne Duft. Der „Scharlachkönig“ ist eine dunkel scharlachrot blühende, etwa 60 cm hohe Sorte.
Parfümerie

In Herrenparfüms werden Tabaknoten gerne eingesetzt. Für echte Effekte sind Absolues aus echten Tabakblättern unerlässlich. Absolues werden durch Extraktion über das Concrète gewonnen.
Pharmapflanzen

Der Tabak gehört zu denjenigen Pflanzen, deren Genom am besten erforscht ist. Er wird in der Gentechnik-Forschung bevorzugt, weil er weder von Mensch noch Tier verzehrt wird und deshalb nicht versehentlich in die Nahrungskette gelangen kann. Durch Veränderungen des Erbgutes entstand beispielsweise nikotinfreier Tabak; die Produktion von Medikamenten in Tabakpflanzen ist inzwischen ein ernsthafter und erfolgreicher Forschungszweig.


Die Wirkung
Nikotin gelangt über die Schleimhäute in die Blutbahn und so ins Gehirn.
Von dort beeinflusst es das gesamte Nervensystem und kann sowohl anregende als auch
entspannende Wirkung haben. Nikotin wirkt sehr schnell. Beim ersten Konsum reagiert der Mensch in der Regel mit Übelkeit und Schwindel. Doch der Körper gewöhnt sich
schnell an Nikotin. Raucher beschreiben folgende angenehme Wirkungen:
* Beruhigung bei Nervosität
* Entspannung
* Anregung bei Müdigkeit
* Verringerung von Hungergefühlen
* Gefühl der Geborgenheit und Souveränität
* Selbstsicherheit. Gleichzeitig sind körperliche Reaktionen messbar, wie zum Beispiel
* Verengung der Blutgefäße
* Blutdruckanstieg
* schnellerer Herzschlag.
Akute Gefahren
Nikotin ist ein hochwirksames Nervengift. Zunächst regt es die Nervenzellen an, später
wirkt es lähmend. Die tödliche Dosis von 50 Milligramm wird bei einem Erwachsenen durch Rauchen nicht erreicht, da Nikotin im Körper durch die Leber sehr schnell wieder abgebaut wird. Die Nikotinmenge einer Zigarette würde – auf einmal eingenommen – eine schwere Vergiftung zur Folge haben. Für Kinder ist diese Menge tödlich.
Langfristige Gesundheitsschäden durch Nikotin
Nikotin verursacht Gefäßverengungen, die Herz- und Kreislaufschäden zur Folge haben.
Das Risiko, einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu bekommen, wird erhöht. Durch mangelhafte Durchblutung des Körpers kann die Sehkraft nachlassen. Verschlüsse in den Blutgefäßen der Beine verursachen das sogenannte Raucherbein, das im schlimmsten
Fall amputiert werden muss.

Langfristige Gesundheitsschäden durch Teer und andere Schadstoffe
Neben dem Nikotin enthält der Tabakrauch noch weitere Schadstoffe. Etwa 40 davon sind krebserregend, unter anderem der Teer. Diese winzigen Teerteilchen setzen sich in den Lungen und Bronchien ab und schädigen bzw. zerstören dort die Flimmerhäarchen, die die Atemluft filtern. Die Atemorgane werden anfällig für Bakterien und Viren. Starker Husten und chronische Bronchitis sind erste Anzeichen für eine Schädigung der Atemwege. Lungenkrebs gilt als typische Raucherkrankheit. Man geht davon aus, dass 85 Prozent aller Menschen, die an Lungenkrebs sterben, Raucher sind. Kohlenmonoxid ist ein weiterer gefährlicher Bestandteil des Tabakrauchs. Das giftige Gas gelangt ins Blut und wird dort anstelle des lebenswichtigen Sauerstoffs an die roten Blutkörperchen gebunden. Sauerstoffmangel ist die Folge. Rauchen verringert langfristig die geistige und körperliche Leistungsfähigkeit und verkürzt die Lebenserwartung. Circa 110 000 Menschen sterben jedes Jahr an tabakbedingten Krankheiten.
Gesundheitsschäden auf einen Blick
* Erhöhte Krankheitsanfälligkeit durch chronische Bronchitis
* Schwere Atemnot durch Lungenblähung (Emphysem)
* Lungen- und Bronchialkrebs, Kehlkopf- oder Mundhöhlenkrebs
* Durchblutungsstörungen der Herzkranzgefäße und äußeren Gliedmaßen durch Verengung und Verkalkung der Blutgefäße
* Raucherbein
* Magenschleimhautentzündungen, Magengeschwüre

Passivrauchen
Nichtraucher rauchen passiv mit. Da der Raucher nur etwa ein Viertel des Tabakrauchs aufnimmt und diesen zum Teil wieder ausatmet, gelangt der Rest des Rauchs in die umgebende Luft. Das ist der ungefilterte Nebenstromrauch der glimmenden Zigarette. Die
Schadstoffkonzentration in diesem Rauch ist bis zu 130mal stärker, so dass auch im Raum anwesende Nichtraucher gefährdet sind. Damit sind sie den gleichen Gesundheitsrisiken
wie die aktiven Raucher ausgesetzt. Für Kinder ist das Passivrauchen besonders gefährlich, denn sie reagieren auf Nikotin und die übrigen Schadstoffe weitaus empfindlicher. 50 Prozent aller Deutschen unter 15 Jahren sind Passivraucher, davon atmen über 20 Prozent
täglich gefährliche Mengen Nikotin ein. Kinder von rauchenden Eltern erkranken häufiger an
Atemwegsentzündungen und Infektionen als Kinder von Nichtrauchern. Passivrauchen wird von einigen Wissenschaftlern als eine Ursache für den Plötzlichen Kindstod gesehen.Wenn Kinder im Raum sind, sollten Erwachsenen Rücksicht nehmen und nicht rauchen. Schwangere sollten nicht rauchen, da sie alle Schadstoffe über den gemeinsamen Blutkreislauf direkt an das ungeborene Kind weitergeben.

Vom Genuss zur Abhängigkeit
Tabakkonsum verursacht rasch eine körperliche und seelische Abhängigkeit. Die körperliche Entwöhnung von der Droge Tabak dauert jedoch nur wenige Tage und verursacht nur leichte Entzugserscheinungen. Weitaus stärker ist meist die seelische Abhängigkeit vom Rauchen. Viele Süchtige schaffen es erst, unabhängig zu werden, wenn sich die ersten Gesundheitsschäden bemerkbar machen. 
Aktueller Konsum
Tabak wurde bislang als Genussmittel gesellschaftlich akzeptiert. In den letzten Jahren wird der Trend zum Nichtrauchen zunehmend von den Gesundheitsbehörden gefördert. Trotzdem raucht in Deutschland ein Drittel der Bevölkerung über 15 Jahren (circa 18 Millionen Menschen). Bei den Männern liegt der Anteil bei etwa 30 Prozent, bei den Frauen bei etwa 20 Prozent. LautWeltgesundheitsorganisation (WHO) gibt es weltweit rund 1,1 Milliarden Raucher. Die jährliche Weltproduktion: Tabak mit rund 6 Millionen Tonnen, Zigaretten mit circa 4 700 Milliarden Stück. Wichtigste Verdienstmöglichkeit in vielen Ländern ist der Tabakanbau, über 15 Millionen Bauern und ihre Familien leben davon.
Die Geschichte des Tabaks
Die ersten Hinweise auf den Tabakkonsum finden sich schon in Darstellungen
der Mayas 600 v. Chr. Bei nordamerikanischen Indianern hatte das Tabakrauchen, zum Beispiel beim Rauchen der Friedenspfeife, kultische Bedeutung. Bis zur Entdeckung Amerikas war Tabak nur dort bekannt. Die Tabakpflanze wurde in Mitteleuropa zunächst als Heilpflanze verwandt, später kam sie auch als Genussmittel in Mode. Bald mischten sich die lokalen Regierungen in die Tabakwirtschaft ein und vergaben Konzessionen und Monopole. Sie erhoben Zölle und Steuern, manchmal, um die Sucht zu bekämpfen, aber auch, weil Tabak als lukrative Einnahmequelle erkannt worden war. Zunächst wurde Tabak in einer Pfeife geraucht, später in Zigarren. Erst seit Ende des 19. Jahrhunderts wurden Zigaretten produziert. Die erste Zigarettenmaschine von 1881 in den USA stellte 200 Zigaretten pro Minute her. Damit wurde der Tabakkonsum erheblich vereinfacht.
Rauchverbote
Der Tabak und das Rauchen hatten schon bald zahlreiche Gegner, die diese neue Mode mit teils drastischen Gesetzen unterbinden wollten. So verbot zum Beispiel Zar Michael Feodorowitsch 1634 das Rauchen bei Verlust der Nase. Friedrich der Große, selbst Raucher, verbot wegen Feuergefahr das Rauchen auf offener Straße. Schon 1651 gab es in Württemberg ein Anbauverbot für Tabak. Jugendlichen ist das Rauchen erst ab dem 16. Lebensjahr erlaubt
Tabaksteuern und Gesetze in Deutschland
Etwa 11,5 Milliarden Euro werden jährlich an Tabaksteuern eingenommen. Dies ist nach dem Solidaritätszuschlag mit rund 13 Milliarden Euro die fünftgrößte Einnahme
Quelle des Bundeshaushaltes. Pro Packung beträgt der Steueranteil rund 1,80 Euro. Auf jeder Zigarettenschachtel und in der Werbung muss die Warnung „Rauchen gefährdet die Gesundheit“ laut Gesetz erscheinen. Ebenso sind die Hersteller verpflichtet, den Nikotinund Teergehalt einer Zigarette auf der Packung anzugeben. Tabakwaren dürfen nicht an Jugendliche unter 16 Jahren verkauft und nicht von ihnen in der Öffentlichkeit konsumiert werden. Seit 1974 darf in Radio und Fernsehen nicht mehr für Tabakerzeugnisse geworben werden.
Tabakindustrie und Werbung
1990 gab es in den alten Bundesländern 725 000 Zigarettenautomaten und 450 000 Verkaufsstellen für Tabak. 30 Prozent aller Zigaretten werden an Automaten gekauft.
Circa 300 verschiedene Zigarettenmarken sind in Deutschland auf dem Markt. Auf etwa 250 bis 350 Millionen Euro werden die jährlichen Ausgaben der Tabakindustrie für Werbung geschätzt. Die Tabakwerbung ist sehr umstritten. Die Kosten der durch Rauchen verursachten Schäden – zum Beispiel Krankheit und Frühinvalidität – betragen laut Berechnung der Bundesregierung jährlich rund 13,5 Milliarden Euro.

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