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Drogen-Phänomen

Der letzte Dreck vom Rio de la Plata

In Argentinien wird die Billig-Droge Paco zum Problem: Jugendliche rauben sich die Sinne mit dem Stoff, der aus Abfällen aus Kokain-Labors besteht.

Von FOCUS-Korrespondent Andreas Fink (Buenos Aires)

Patricio, 21, klaut nachts Autos und verscheuert sie für 400 Pesos, das ergibt 400 Kicks. Zwei Züge an der Pfeife und Patricios Hirn ballert durch, erst Euphorie, dann Depression. Kaum zwei Minuten rast die Achterbahn durch sein Hirn. Patricio hat eine Polizeikugel im Schulterblatt stecken, von neulich, als die Polizisten hinter ihm her waren. „Das Zeug macht Dich zur Sau“, sagt er. Eigentlich will er aufhören mit dem Wahnsinn, nicht so runterkommen wie die Jungs aus der Wellblechhütte nebenan, denen er den Stoff abkauft. Die haben gelbliche Haut, hervorstehende Augen und kaum mehr Fleisch zwischen Haut und Knochen. Eigentlich. Dann legt er ein weiteres Körnchen auf seine Plastikpfeife, die einmal ein Sektkorken war, umschirmt sie mit der linken Hand, dreht mit der rechten das Rädchen des roten Feuerzeugs. Und knallt weg, die Gesichtszüge entgleiten ihm.

Pures Gift

"Paco mata“, Paco tötet, steht auf unzähligen Hauswänden in Buenos Aires und dem riesigen Armutsgürtel, der Argentiniens Metropole umgibt. In Spanien ist das Wörtchen Paco die Koseform des Männernamens Francisco. Argentiniens Paco hat ganz und gar nicht niedliches: „PAsta base de COcaina“ ist die wahrscheinlich verheerendste Droge, die das Pampaland jemals heimgesucht hat. Es sind die Produktionsrückstände aus Kokainlabors, Kokapaste, Kerosin, Benzolsäure, vermengt mit Lösungsmitteln und gemahlenen Glassplittern. Der letzte Dreck.

Das Gift kommt in Bröseln, in Papierkügelchen verpackt, es wird in Pfeifen geraucht, manchmal dient Zigarettentabak als Träger, manchmal auch nur Zigarettenasche, manchmal gar Stahlwolle. Paco attackiert Lungen, Leber, Herz und Hirn, oft sind die Schäden irreparabel. Junge Menschen verfallen in wenigen Jahren zu wandelnden Skeletten. Paco tötet – vor allem das Hungergefühl. Wer Paco raucht, hört auf zu essen.

Hemmschwelle minimal

Das verheerendste an der Droge ist ihr Preis: Einen Peso pro Dosis, 25 Euro-Cent, zu diesem Einstiegs-Tarif können sich schon Mittelschüler auf dem Schulklo das Licht ausblasen. Jeder vierte Schüler habe bereits Paco probiert, berichtet das Nachrichtenmagazin „Noticias“. In den „Villas Miseria“, wie die Elendsviertel in Argentinien absurderweise genannt werden, gibt es die Brösel beim Gemüsehändler zu kaufen oder einfach nur in privaten Unterkünften. Für Slumbewohner ist der illegale Drogenhandel die einzige Verdienstmöglichkeit, viele finanzieren so auch ihre eigene Sucht. Aber auch durch viele Hauptstadtstraßen wehen nachts süßlich-giftige Schwaden, oft sind illegal besetzte Häuser die Vertriebszentren. Nur Ausländer fragen sich, warum die Polizei nicht eingreift.

Falsch gerechnet

Dabei ist die Billig-Droge keineswegs billig. Schnell brauchen Abhängige 50 Trips am Tage, das ist mehr als viele Tagesverdienste im Niedriglohnland Argentinien. „Sechs von zehn Paco-Rauchern finanzieren sich ihre Sucht mit strafbaren Handlungen“, ermittelten staatliche Suchtbeauftragte. Die meisten klauen erst zu Hause, wenn es dort nichts mehr zu holen gibt, stehlen sie bei den Nachbarn und auf offener Straße. Die Hauptstädter gehen auffällig dünnen Jugendlichen aus dem Weg. Um 38 Prozent stieg die Verbrechensrate in den vergangenen Jahren, ein Großteil geht auf das Konto von Paco.

Eigentor der Drogenbekämpfer

Absurderweise ist die Droge das Resultat des gezielten Kampfes gegen die Drogen. Weil die Kokain-Länder Peru und Bolivien bestimmte Chemikalien, die zur Herstellung von Kokain dienen, nur erschwert einführen können, kristallisieren die Mafias eingeschmuggelte Kokapaste zu Kokain nun in den ehemaligen Transitstaaten Argentinien und Brasilien. In den zwei großen Ländern sind einschlägige Chemikalien problemlos zu besorgen. Paco ist der Bodensatz aus diesen Hexenküchen.
Der Zusammenbruch der Volkswirtschaft 2001 ist der zweite Grund für den Flächenbrand in Argentiniens Hirnen. Als ein Peso noch einen Dollar wert war, konnten auch viele Slumbewohner echtes Kokain bezahlen, das hier natürlich wesentlich weniger kostete als in Europa und den USA. Nach der Peso-Abwertung, produzieren die Kokainlabors für Argentiniens Upper Class und den Export, großteils nach Europa. Die Armen geben sich den Rest.


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