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Diagnostik

Süchtige verleugnen und verharmlosen ihr Verhalten fast immer.

Die Situationen, in denen Abhängige einen Arzt aufsuchen, sind unterschiedlich. Es kann sich, auch bei einmaligen Drogenkonsum, um eine akute Intoxikation handeln. Oder Betroffene kommen aufgrund sekundärer Erkrankungen zum Arzt. Die meisten Betroffenen aber gehen wegen einer anderen Erkrankung zum Arzt, etwa wegen einer hartnäckigen Erkältung oder aufgrund einer Verletzung. Abhängige haben eine große Tendenz, ihre Situation zu beschönigen und zu verleugnen. Häufige Arztbesuche wegen unklarer oder vager Beschwerden, wiederholte Rezeptforderungen von Hustenmitteln, Schmerzmitteln oder Tranquillizern oder auch häufige Unfälle können ein Hinweis auf eine verleugnete Abhängigkeit sein.

In jeder Krankengeschichte sind Aspekte des Suchtmittelkonsums zu finden.

Der schädliche Gebrauch von Suchtmitteln ist so weit verbreitet, dass ein Arzt jeden Patienten, den er behandelt, nach der Einnahme von Suchtmittel befragen wird. An erster Stelle steht hier wohl die Frage nach dem Rauchen. Auch Alkoholkonsum und der Umgang mit Medikamenten werden in jedem Krankenblatt festgehalten. Bei entsprechendem "Verdacht" werden dann die Fragen weiter gefasst. Eine vollständige Suchtmittelanamnese ist wichtig, wenn ein Entzug stattfinden soll. Dann muss die Phase der Abhängigkeit ebenso festgestellt werden, wie das Vorhandensein von psychiatrischen Komplikationen.

TIM nennt als Bestandteile der Suchtmittelanamnese: 
*Dauer
*Konsummuster
- Einnahmefrequenz
- Aufnahmeweg
- Kombination von Suchtmitteln
-Veränderungen des Konsummusters, wie beispielsweise Abweichung von gesellschaftlichen Konventionen des Alkoholkonsums oder Übergang von Inhalation zu intravenösem Heroinkonsum
*Umstände und Funktion
- allein oder in Gesellschaft
- Zugehörigkeit zur Subkultur
- angestrebte Wirkung wie Anxiolyse (entspannend, angstlösend), Euphorisierung
- Vermeidung von Entzugssymptomen
*bisherige Behandlungsversuche
- Entgiftungsversuche (selbständig oder mit ärztlicher Hilfe, ambulant oder stationär)
- Entwöhnungstherapien
- Pharmakotherapie (Substitutionstherapie, Anti-craving-Substanzen = Substanzen, die das Verlangen nach Suchtmitteln reduzieren.)
- psychiatrische Behandlungen
- Notwendigkeit der Behandlung von Komplikationen wie Überdosierungen, drogeninduzierten Psychosen, somatischen Folgeerkrankungen usw.

Der Laborcheck ist unumgänglich.

Zur routinemäßigen Laboruntersuchungen gehört das Drogenscreening aus dem Urin. Dort wird nach Hinweisen auf Opiate, Barbiturate, Benzodiazepine, Cannabis, Kokain und Amphetaminen gesucht. Das Drogenscreening ist besonders dann wichtig, wenn der Betroffene mehrere Substanzen zusammen eingenommen hat. Das ist recht häufig der Fall. Oft erinnern sich die Betroffenen auch nicht mehr daran, was und wie viel sie konsumiert haben.

Weitere Untersuchungen müssen vor allem dann durchgeführt werden, wenn Infektionskrankheiten festgestellt werden, etwa Hepatitis oder Tuberkulose. Dann sind die Leber- und Nierenwerte, ein Blutbild und eine Blutsenkung wichtige Untersuchungsbestandteile. 

 
Auch die soziale Situation gehört ins Krankenblatt.

Um eine Drogenabhängigkeit individuell sinnvoll behandeln zu können, ist es wichtig, dass die soziale Situation des Betroffenen bekannt ist. Dazu gehören z. B. die Aspekte der familiären Bedingungen, Freunde, Freizeitgestaltung, Ausbildung und Beruf, Arbeitssituation, Finanzen oder rechtliche Belastungen.

Folgeerkrankungen müssen festgestellt werden.

Zur Diagnose bei Suchterkrankungen gehört ebenfalls, festzustellen, ab die Betroffenen zusätzlich unter psychiatrischen Folgeerkrankungen leiden. Auch die psychiatrische Komorbidität muss diagnostisch abgeklärt werden, denn sie gibt einen wichtigen Hinweis auf die Prognose. Auch andere, körperliche Suchtfolgeerkrankungen, etwa eine Leberzirrhose bei Alkoholabhängigkeit, müssen bei der Diagnostik erfasst werden.

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