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Binge Eating

Binge Eating (auch Binge Eating Disorder) ist eine Essstörung, bei der es zu periodischen Heißhungeranfällen (Fressanfällen) mit Verlust der bewussten Kontrolle über das Essverhalten kommt. Im Gegensatz zur Bulimie wird das Gegessene anschließend nicht erbrochen, so dass längerfristig meist Übergewicht die Folge ist. Als eigenständige Diagnose im Rahmen der Essstörungen wurde der Begriff erstmals 1992 vorgeschlagen. Die Definition dieser Essstörung war längere Zeit umstritten, die Kriterien werden von Ernährungswissenschaftlern und Medizinern jedoch zunehmend akzeptiert; die Behandlungsbedürftigkeit dieser Störung wird auch in Europa mittlerweile überwiegend anerkannt. Die Behandlungskonzepte entsprechen in der Regel denen der Bulimie.

Diagnose

Die diagnostischen Kriterien für Binge Eating wurden in den 1990er Jahren von der Psychiatrischen Vereinigung in den USA aufgestellt:
*mindestens zwei Essanfälle pro Woche über einen Zeitraum von mindestens sechs Monaten
*Kontrollverlust während der Nahrungsaufnahme mit Verlust des Sättigungsgefühls
*sehr hohe Kalorienzufuhr bei einem Essanfall
*extrem hastiges Essen („schlingen“)
*Essen bis zu einem starken Völlegefühl
*der Essanfall wird nicht durch starken Hunger ausgelöst
*nach dem Essanfall treten Schuld- und Schamgefühle auf, teilweise bis zur Depression
*die Betroffenen leiden unter den Essanfällen

Bei unkontrollierten Essattacken werden meistens fettreiche und süße Lebensmittel gegessen, die viele Kalorien enthalten.

Im Gegensatz zu Bulimikern ergreifen Binge Eater nach dem Essen keine Maßnahmen wie Erbrechen oder exzessives sportliches Training, um eine Gewichtszunahme durch die überhöhte Kalorienzufuhr zu verhindern.

Obwohl das Störungsbild bereits von Stunkard 1959 erstmals beschrieben wurde, ist die Binge-Eating-Störung bisher nicht mit eigenen diagnostischen Leitlinien in der ICD-10 vertreten und wird ohne nähere Beschreibung unter F 50.9: „Nicht näher bezeichnete Essstörungen“ oder unter F 50.4 „Essattacken bei sonstigen psychischen Störungen“ subsumiert.

Wie Bulimiker verschweigen Binge Eater in der Regel anderen ihr gestörtes Essverhalten, auch Freunden und Familienangehörigen. Befragungen von Betroffenen legen den Schluss nahe, dass die Essanfälle ausschließlich psychisch bedingt sind und überwiegend durch negative Gefühle, Stress oder Langeweile ausgelöst werden. Psychologen gehen davon aus, dass unangenehme Empfindungen während des Essvorgangs unterdrückt werden. Demnach handelte es sich bei Binge Eating um eine Form von Vermeidungsverhalten. Wie auch bei anderen Essstörungen gibt es zu Entstehung und Funktion dieses Essverhaltens jedoch unterschiedliche Theorien. In der Ernährungspsychologie gibt es die Theorie, dass so genanntes „gezügeltes Essverhalten“ ein Risikofaktor für das Entstehen von Essstörungen ist, vor allem für Bulimie und Binge Eating.

Eine Binge-Eating-Störung liegt vor, wenn:
die "Fressanfälle" mindestens zweimal pro Woche auftreten
deswegen ein deutliches Leiden besteht
auf die Fressanfälle keine Maßnahmen wie Erbrechen oder Abführmittelmissbrauch folgen, die einer Gewichtszunahme direkt gegensteuern. 

Außerdem gehören folgende Symptome zur Binge-Eating-Störung:
wesentlich schneller essen als normal
Essen bis zu einem unangenehmen Völlegefühl oder Übelkeit
Essen großer Nahrungsmengen, obwohl man nicht hungrig ist
alleine essen, aus Verlegenheit über die Menge, die man isst
Ekelgefühle gegenüber sich selbst
Depressionen oder große Schuldgefühle wegen der Fressanfälle

Folgen der Binge Eating Disorder (BED)

Unmittelbare körperliche Folgen sind Völlegefühl, Bauchschmerzen und Atembeschwerden. Oft führt die BED zu ungesunden Diäten, die Hungergefühle auslösen und zu erneuten Essattacken führen können. Ein Teufelskreis entsteht.
Körperliche Folgen
Längerfristig sind die schwerwiegendsten Folgen die Folgen des Übergewichts, wie z. B. Diabetes mellitus Typ II, Herz-Kreislauf-Erkrankungen (z. B. Bluthochdruck), Schlaganfall oder Herzinfarkt, Arthrose und Wirbelsäulenschäden. 
Psychische Folgen
Binge Eating Disorder kann aber auch seelische Folgen haben, die von sozialem Rückzug bis zu Depressionen und Selbstabwertung reichen können. Die meisten schämen sich und versuchen, ihre Störung vor anderen Menschen zu verstecken. Zusätzlich kann es zu Alkoholmissbrauch, Angstzuständen, Selbsthass, zwanghaftem Putzen und Waschen kommen. 
Finanzielle Probleme
Wie bei der Bulimie müssen auch Menschen mit BED den hohen Nahrungsmittelkonsum finanzieren. Je häufiger die Essanfälle auftreten, desto höher werden die Ausgaben, die dann zu finanziellen Engpässen führen können.

Epidemiologie

Zur Häufigkeit der Binge Eating-Disorder gibt es unterschiedliche Angaben, die meisten beruhen auf Schätzungen. Georg Ernst Jacoby, ehemaliger Leiter einer Spezialklinik für Essstörungen in Bad Oeynhausen, schätzt die Zahl der Betroffenen in Deutschland auf 1,5 bis zwei Millionen und damit höher als die Zahl der Bulimiker. In den USA ergaben Untersuchungen eine Quote von etwa zwei Prozent der Bevölkerung. Rund ein Drittel der Betroffenen sind Männer; es gibt keine besonders stark betroffene Altersgruppe wie bei Bulimie und Magersucht. Ein großer Teil der Binge Eater ist übergewichtig, allerdings leidet umgekehrt nur etwa ein Drittel der Adipositas-Patienten an Heißhungerattacken. Die meisten Übergewichtigen nehmen kontinuierlich mehr Kalorien auf als sie verbrauchen, nicht anfallsweise.

Therapie

In der Therapie wird eine Normalisierung des Essverhaltens angestrebt, wobei auch die auslösenden psychischen Probleme behandelt werden.

Die Behandlung der Binge-Eating-Störung hat zwei Behandlungsziele: 

1. Normalisierung des Essverhaltens und des Gewichts
2. Behandlung der zugrunde liegenden psychischen Störung

Im Vordergrund der Therapie steht die Behandlung von Selbstwertdefiziten, zwischenmenschlichen Problemen und die Normalisierung des Essverhaltens.

Die sich meistens mit der Binge-Eating-Störung entwickelnde Adipositas birgt auch medizinische Risiken. Es kann zu Krankheiten wie Diabetes mellitus, Fettstoffwechsel-Störungen und Bluthochdruck kommen, auch ein erhöhtes Sterblichkeitsrisiko ist die Folge. 

Die Bewegungstherapie ist ein unverzichtbarer Bestandteil der Behandlung um eine erzielte Gewichtsreduktion beizubehalten.

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